Drehbuchautor Wettcke auf Stippvisite

Erfolgreicher Drehbuchautor und ehemaliger Tullaner Thorsten Wettcke besucht Tulla-Gymnasium 

„Hier war ich ja tatsächlich noch nie!“ So lauten die ersten Worte von Thomas Wettcke, als er am Freitag, den 07. Februar 2020, die Schwelle des Lehrerzimmers betritt. Nach einer herzlichen Begrüßung durch die Abteilungsleiterin Monika Gutmann hängt er lachend seine Jacke an der Garderobe auf und taucht ein in die geschäftige Atmosphäre des Raumes. Es hat tatsächlich geklappt - Thorsten Wettcke ist an seine alte Schule zurückgekehrt, um nun seinerseits von seiner Arbeit als Drehbuchautor in zwei Klassenstufen zu berichten. Als Abiturjahrgang 1993 hat er die Schule einst verlassen und lebt mittlerweile mit seiner Familie in Berlin. Beruflich ist er wohl einer der erfolgreichsten deutschen Drehbuchautoren. Er schrieb mehrere Filme für die ZDF-Serie „Rosa Roth“, wirkt an Netflix-Serien mit und schrieb die SAT 1-Romanadaption „Die Hebamme“. Regelmäßig bereichert er das Ermittlerduo Boerne und Thiel im Münster-Tatort mit neuen Fällen. Sein größter Erfolg war aber sicherlich das Filmprojekt „Das Wunder von Kärnten“, für das er 2013 sogar den Internationalen Emmy in der Kategorie „Bester Fernsehfilm“ erhielt. Ein Mann, der also viel von sich, seiner Arbeit als Drehbuchautor und dem Prozess des Schreibens erzählen kann. Klar, dass die Schüler der Kursstufe 1, die Klasse 10b und deren Lehrer schon ganz gespannt auf die Begegnung mit ihm sind.

Nahbar und umkompliziert kommt er rüber und so trauen sich die Schülerinnen und Schüler schnell, ganz offen Fragen zu stellen: „Hattest du schon mal eine Schreibblockade?“, „Gibt es Themen über die du nicht schreiben würdest?“, „Wie lange dauert es, ein Drehbuch zu schreiben und wieviel Recherche benötigt man für ein Drehbuch?“, aber auch „Wie sieht dein Alltag aus – schreibst du nur, wenn du Lust hast oder musst du schreiben.“, „Kann man denn vom Schreiben leben?“, „Welche anderen Prominente kennst du?“ Manch eine Antwort erstaunt sicherlich auch viele wie zum Beispiel: „Prominent sein ist kein Wert in sich, entweder du bist ein toller Mensch oder eben nicht.“ Dass eine Menge Disziplin zum kreativen Beruf des Autors gehört, verstehen die Schülerinnen und Schüler schnell. Doch die Liebe zum Schreiben sieht man Thorsten Wettcke bei jeder seiner Ausführungen an. Die Chance, ein echtes Tatort-Drehbuch von ihm in Teilen zu lesen und mit den fertigen Filmausschnitten zu vergleichen, lassen sich die Schülerinnen und Schüler nicht entgehen. Hier zeigt sich schnell, dass viel mehr als Dialoge in einem Drehbuch stehen. „Int. Day - Das heißt die Szene spielt innen und am Tag – das ist eine Info für die Beleuchter am Set!“ Bis hin zu den fast unsichtbaren Kleinigkeiten: Wie der Tisch gedeckt sein soll, welcher Gesichtsausdruck beim Schauspieler oder die Hintergrundmusik der Szene. Nun wird klar, was Thorsten Wettcke beim Gespräch zuvor gemeint hatte, als er sagte, ein Drehbuchautor müsse beim Schreiben ein sehr visuelles Vorstellungsvermögen haben. Auf die Frage, ob er wieder diesen Weg einschlagen würde, sagt er überzeugend: „Ja – auch wenn einige Durststrecken zu überwinden waren – Schreiben ist für mich der schönste Beruf. Jeder von euch sollte nach dem Abi etwas finden, woran sein Herz hängt, dann gilt nämlich der Satz: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“ Die Schulleiterin Frau Rösch verabschiedet Thorsten Wettcke in der Hoffnung, ihn bald einmal wieder an seiner „alten Schule“ - dem Tulla – begrüßen zu dürfen. 

(M.Gutmann)


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